Newsgroup-Beitrag
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Betreff: Jugendkriminalität 1 (Orientierung)
Von: "Peter Fuchs" Fuchs@apexmail.com
Nachrichten-ID: 7e9pak$e09$1@news.netcologne.de

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Jugendkriminalität 1 (Orientierung)

Problematische Jugend?

(Aus einer Rede des Innenministers des Landes Brandenburg, Alwin Ziel, auf dem Symposium des Landeskriminalamtes Brandenburg am 6. November 1996)

Was ist also los mit einem Teil unserer Jugend? Lassen Sie mich diese Sätze an den Anfang stellen - ich zitiere: "Wir leben in einem lügenhaften, sehr heruntergekommenen Zeitalter. Die heutige Jugend zeigt kaum noch Respekt vor den Eltern. Sie ist von Grund auf verdorben, voller Ungeduld und ohne jede Selbstbeherrschung. Über die Erfahrungen und Weisheiten der Älteren spottet sie. Das sind sehr bedenkliche Zeichen, und man muß vermuten, daß sich darin Verderben und Untergang des Menschengeschlechts drohend ankündigen." (Zitatende) - Nun, wenn dem so wäre, dann zieht sich dieses Verderben seit mehr als 4.000 Jahren hin. Denn dieses Zitat ist einer ägyptischen Inschrift aus der Ära des Mittleren Reiches entnommen und datiert zwischen 2.100 und 1.700 vor Christi.

Sie sehen, so neu ist das Klagelied nicht, das die Alten einer Generation seit Jahrhunderten regelmäßig über ihre Nachfahren anstimmen. Inzwischen haben -zig neue Generationen den Erdball bevölkert - und siehe, wir sind immer noch da! Es ist das Privileg der Jugend, anders zu sein als die Mütter und Väter. Es ist das Recht der Jugend - und auch ihre Pflicht - Neues zu probieren, um Neuem den Weg zu bahnen. Sonst gäbe es keine Entwicklung.

(Quelle: http://pns.brandenburg.de/land/mi/polizei/info110/symposio.htm)

 

Wie sieht es heute aus?

(Aus einer Rede von Fritz Behrens, Innenminsiter des Landes Nordrhein-Westfalen,
bei der Eröffnung des Fachkongresses Jugendkriminalität am 19. August 1998 )

Der Anstieg der Kriminalität im Bereich der Jugendlichen und Heranwachsenden ist ein Anlass zur Sorge. Deshalb ist es an der Zeit, eine Trendwende herbeizuführen und die Ursachen zu bekämpfen", erklärte der Innenminister Fritz Behrens am Mittwoch bei der Eröffnung des Fachkongresses Jugendkriminalität" in Düsseldorf.

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Der Direktor des Landeskriminalamtes NRW, Hartmut Rohmer, zeigte anhand eines Lagebildes Entwicklungen und Tendenzen der Jugendkriminalität auf: Laut Polizeilicher Kriminalstatistik waren 1997 in Nordrhein-Westfalen 135 000 von 430 000 Tatverdächtigen (31,4 %) jünger als 21 Jahre. 1993 lag deren Anteil an der Gesamtkriminalität mit 104 000 Tatverdächtigen noch bei 26,8 %. Insbesondere Gewaltdelikte werden in hohem Maße von Jugendlichen und Heranwachsenden begangen; 49,4 % der Tatverdächtigen von gefährlichen und schweren Körperverletzungen und 75,5 % der Tatverdächtigen von Raubüberfällen auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen waren jünger als 21 Jahre. Bereits Kinder zählen zu den Intensivtätern. Sie bestimmten in den letzten Wochen die Schlagzeilen und führten zu einer Debatte über Gesetzesänderungen.

(Quelle: http://www.im.nrw.de/jk/jkinh.htm )

Zahlen für Bayern: http://www.innenministerium.bayern.de/reden/jugendkriminalitaet/analyse.htm
Zahlen für Nordrhein-Westfalen: http://www.im.nrw.de/jk/jkinh.htm

 

Man kann es so sehen ...

Christlich-Soziale Union in Bayern
Kreisverband Weilheim-Schongau

Dodell: Jugendliche Straftäter ohne Moped und Auto - Der Jugendkriminalität wirksam entgegentreten

Das Problem der deutlich angestiegenen Jugendkriminalität darf nicht aus falsch verstandener Liberalität geleugnet oder aus unangebrachter Rücksichtnahme verharmlost werden. Diese Warnung sprach Landtagsabgeordnete und CSU-Kreisvorsitzende Renate Dodell aus. Immerhin sei im letzten Jahr fast jeder vierte der über 300 000 registrierten Tatverdächtigen in Bayern jünger als 21 Jahre gewesen. Bei der Kinder- und Jugendkriminalität ist nach Dodells Darstellungen ein weit überdurchschnittlicher Anteil ausländischer Täter festzustellen. Im Rahmen der "Initiative Bayern Sicherheit" hätte die CSU und die Bayerische Staatsregierung ein ganzes Bündel von Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendkriminalität vorgelegt.

Natürlich müsse auch künftig versucht werden, durch Unterstützung von Eltern und Schule bei der Erziehungsarbeit sowie durch Förderung der Jugendarbeit und vieler anderer Maßnahmen den Nährboden für die Jugendkriminalität zu entziehen. "Aber wenn junge Menschen Straftaten begehen, dann müssen wir ihnen auch in aller Deutlichkeit ihr Fehlverhalten aufzeigen", sagte Dodell.

Das Jugendstrafrecht soll deshalb nur noch in Ausnahmefällen für 18- bis 21jährige Täter angewandt werden. Dodell kündigte an, daß der Freistaat Bayern hierzu eine erneute Initiative im Bundesrat starten wird. "Es ist ein Skandal, daß die SPD im Bundesrat diese notwendige Korrektur blockiert", klagte dieCSU-Politikerin. Bei schwersten Straftaten soll der Strafrahmen von 10 auf 15 Jahre erhöht werden. Dodell verteidigte in diesem Zusammenhang auch die angeordnete Ausweisung eines türkischen Kindes und seiner Eltern in München. "Wenn ein Kind mit 13 Jahren schon 61 teilweise schwere Straftaten begangen hat und sich auch noch stolz darüber äußert, haben die Eltern in ihrem Erziehungsauftrag massiv versagt", so die Landtagsabgeordnete.

Dieses Mittel werde ohnehin nur in ganz extremen Fällen eingesetzt. Wer dann noch Toleranz und Rücksichtnahme verlange, unterhöhle das Vertrauen in den Rechtsstaat.

Wie Dodell erklärte, seien noch eine Reihe weiterer Maßnahmen zur Bekämpfung der Kinder- und Jugendkriminalität beschlossen worden. So solle künftig zur Möglichkeit, eine Strafe zur Bewährung auszusetzen, ein sogenannter "Einstiegsarrest" hinzukommen. Durch eine Bundesratsinitiative wolle der Freistaat Bayern außerdem ein Fahrverbot oder eine Sperre für den Erwerb des Führerscheins durchsetzen. Diese Maßnahmen sollen für wiederholt straffällige Täter im Alter zwischen 14 und 21 Jahren verhängt werden können. Unter Jugendlichen und Heranwachsenden spiele Mobilität eine große Rolle. "Solche Maßnahmen schmälern das Ansehen und die Akzeptanz innerhalb des Freundeskreises.

Es hat eine erhebliche erzieherische Wirkung, wenn der zeitliche Entzug von Moped oder Auto droht", sagte Dodell abschließend.

(Quelle: http://www.csuwmsog.oberland.net/jugendk.htm )

 

... oder so sehen

Kommentar
Der Haß der Alten auf die Jungen
Die SPD, die CDU und die Jugendkriminalität

Man müsse "schärfer" und "härter" gegen auffällig gewordene Jugendliche "vorgehen", fordern SPD und CDU/CSU unisono. In beiden Parteien wird laut nach geschlossenen Heimen für Mehrfachtäter geschrien. Beide Parteien fordern eine höhere Bestrafung von kriminellen Heranwachsenden nach dem Erwachsenenstrafrecht - "in Einzelfällen" (SPD), "im Regelfall" (CDU). Schon die Sprache dieser Politiker verrät, wieviel Aggression, wieviel Strafbedürfnis sich hinter den markigen Parolen versteckt. Warum eigentlich? KriminologInnen weisen seit Wochen - offenbar völlig vergeblich - darauf hin, daß Dramatisierungen völlig fehl am Platz seien. Daß der Anstieg der Jugendkriminalität vor allem Bagatelldelikten wie Ladendiebstahl, Schwarzfahren und Ecstacy- Schlucken geschuldet sei. Daß Gewaltverbrechen auch nicht öfter vorkämen als früher. Daß die Jugend besser als ihr Ruf sei. Woher also stammt so viel "überschüssige" Wut? Weshalb machen auch US-Politiker Jugendliche bevorzugt zum Sündenbock und verbieten einer ganzen Generation den Ausgang nach 21 Uhr? Wofür sollen Jugendliche bestraft werden?

Die Antwort lautet schlicht: dafür, daß sie jung sind. Kaum eine andere Gesellschaft pflegt einen so ausgeprägten Jugendkult wie die westlichen Industrieländer. Nur wer jung ist, zählt, denn wer jung ist, zahlt. Im Fernsehen, in den Zeitschriften, in den Kinos tanzen junge, makellose Körper den Werbespot vom ewigen Leben. Wer es nicht schafft, sein Älterwerden zu vermeiden oder aufzuhalten, wer mit Zellulitis oder Herzkasper zu kämpfen hat, der ist mega-out.

Doch nun sitzt, wie weit man auch blickt, ausgerechnet diese mega-oute Generation der alten und häßlichen Männer an den Schalthebeln von Politik, Wirtschaft und Medien. Sie haben Macht, sie haben Geld und Privilegien, aber wenn sie heimlich an sich herunterblicken, sehen sie einen verfallenden Körper. Jugendlichkeit, diesen größten aller kulturellen Werte, können sie als einziges nicht kaufen. Welche Erniedrigung! Die einen kaufen sich Kinderpornos oder kleine thailändische Mädchen und Jungs, um den Jungbrunnen auf andere Weise in Besitz zu bekommen. Die anderen, zu denen vorzugsweise unsere Politiker gehören, rächen sich verbal und deklarieren die Jugend von heute als die gewalttätigste und dekadenteste aller Zeiten. Ein Scheißspiel.

Ute Scheub

taz Nr. 5593 vom 28.7.1998 Seite 1 61 Zeilen Kommentar Ute Scheub

(Quelle: http://www.taz.de/tpl/1998/07/28/a0035.taz/oldText )

 

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Jens Nitzsche © Juni 2001